Ratgeber zur Wahl des passenden Frontladersteuergerätes
Frontladersteuergeräte richtig wählen
Technischer Ratgeber zur Auswahl, Auslegung und Kompatibilität
Ein Frontladersteuergerät ist das zentrale Bedienelement für Frontlader an Traktoren. Die richtige Auswahl ist entscheidend für Funktion, Sicherheit, Lebensdauer der Hydraulik und einen reibungslosen Arbeitsablauf.
Dieser Ratgeber richtet sich an landwirtschaftliche Betriebe, Werkstätten und technisch versierte Anwender und erklärt Schritt für Schritt, worauf bei der Auswahl eines passenden Frontladersteuergeräts zu achten ist.
Was ist ein Frontladersteuergerät?
Ein Frontladersteuergerät ist ein hydraulisches Wegeventil, mit dem die Bewegungen des Frontladers (Heben, Senken, Kippen, Zusatzfunktionen) gesteuert werden. Es wird zwischen Pumpe und Verbraucher (Hydraulikzylinder) installiert und verteilt den Ölstrom gezielt.
Typische Funktionen:
- Heben und Senken des Frontladers
- Kippen der Schaufel oder des Anbaugeräts
- Ansteuerung von Zusatzfunktionen (z. B. Greifer)
Schritt 1: Hydrauliksystem des Traktors identifizieren
Die verbaute Pumpe gibt das die grundlegende Bau- und Funktionsweise des Hydrauliksystems vor. Daher ist die Pumpe grundlegend entscheidend für die Wahl des Systems des Frontladersteuergerätes.
Mögliche eingebaute Pumpenbauweisen:
- Zahnradpumpe
- Erzeugt ein Konstantstromsystem (Öl wird kontinuierlich gefördert)
- auch offenes System oder open center genannt
- Üblich bei älteren Traktoren, kleineren Traktoren oder Traktoren mit einfacherer Ausstattung
- Vergleichsweise kompakt gebaut, Verkettung mehrerer Pumpen ist möglich
- Beispielhafte Darstellung:
-
- Vorsicht!
- Es kann sein, das die Zahnradpumpe in Verbindung mit modernen Ventilblöcken benutzt wird (Beispiel: Bosch SB23 LS), sollte man dort bestehende Schnittstellen benutzen wollen, m
- Erzeugt ein Konstantstromsystem (Öl wird kontinuierlich gefördert)
- Load-Sensing-Verstellpumpe
- Erzeugt ein LS-System (Hydraulikleistung wird nur bedarfsgerecht in Druck und Volumenstrom erzeugt)
- kurz: LS-System
- Üblich bei neueren Traktoren ab der mittleren Leistungsklasse.
- Beispielhafte Darstellung:

- Erzeugt ein LS-System (Hydraulikleistung wird nur bedarfsgerecht in Druck und Volumenstrom erzeugt)
- Radialkolbenpumpe
- Erzeugt ein Konstantdrucksystem (System wird kontinuierlich auf Betriebsdruck gehalten)
- auch closed center oder geschlossenes System genannt
- Vergleichsweise selten, diverse älteren John Deere Traktoren sind damit ausgestattet
- Erzeugt ein Konstantdrucksystem (System wird kontinuierlich auf Betriebsdruck gehalten)
Schritt 2: Wird eine Druckweiterleitung benötigt?
Die Druckweiterleitung sorgt dafür, das in Neutralstellung des Steuergerätes nachgelagerte Steuerblocke mit Druck versorgt werden können. Bei Load-Sensing-System und Konstantdrucksystemen wird keine Druckweiterleitung benötigt, relevant ist dies nur bei Konstantstromsystemen.
Bei Traktoren mit Konstantstromsystem ist in der Regel immer eine Druckweiterleitung erforderlich. Nur wenn hinter dem zusätzlich einzubauenden Steuergerät keine weiteren Ventile mehr eingebaut sind, kann auf die Druckweiterleitung verzichtet werden.
Beachte!
Beim Bosch SB7 und beim SB23 OC System werden die Steuergeräte erst im bei Rücklauf des Öls mit Druck versorgt (Regelsteuergerät hat die niedrigste Priorität), daher muss bei diesen Steuergeräten immer ein Ventil mit Druckweiterleitung genutzt werden!
Schritt 3: Was benötigt mein Frontlader?
Hier gibt es üblicherweise zwei Bauweisen:
- 2x Doppeltwirkend
- Heute üblicher Standard-Frontlader, Senken erfolgt hier mit Druck, der Schlepper kann in der Regel über den Frontlader ausgehoben werden
- Gerätebetätigung (ein-auskippen) erfolgt über einen doppeltwirkenden Frontlader
- 1x Einfachwirkend, 1x Doppeltwirkend
- Lange Zeit eine übliche Konfiguration gewesen, Senken erfolgt hier nur durch das Eigengewicht des Laders
- Gerätebetätigung (ein-auskippen) erfolgt über einen doppeltwirkenden Hydraulikzylinder
Für beide Varianten wird üblicherweise die Heben/Senken-Sektion mit einer Schwimmstellung ausgestattet.
Unsere Frontladersteuergeräte sind üblicherweise für die erstgenannte Variante ausgelegt, für die zweite Variante bieten wir einen ergänzenden Umbausatz an. Dieser ermöglicht auch die spätere problemlose Umrüstung auf die erstgenannte Variante.
Häufig sind die Schwingen bereits mit Hydraulikkupplung(en) ausgestattet. Hier gibt es üblicherweise drei verschiedene Ausführungen:
- BG3-Kupplung
- einfache und günstige Standardausführung für viele Schwingen
- Flachdichtende Kupplungen
- höherer Durchfluss
- geringere Leckage beim kuppeln
- leichter zu reinigen
- Multikupplung
- in der Regel als flachdichtende Kupplung ausgeführt
- ermöglicht das gleichzeitige und vertauschungsichere Kuppeln der Frontladeranschlüsse
- Auch kombinierbare mit Elektroanschlüssen
Die übliche Stoll-Multikupplung ist in der Regel kombinierbar mit unseren Faster-Kupplungen.
Alternativ können natürlich die Frontladeranschlüsse auch ohne Kupplungen direkt mit dem Steuergerät verbunden werden.
Schritt 4: Bauraum identifizieren und Bowdenzuglänge messen.
Abhängig von der Wahl des Frontladersteuergerätes muss nun die gewünschte Anbauposition identifiziert werden. Die Einbaulage des Steuergerätes ist grundsätzlich beliebig, bewährt hat sich aber ein Anbau an der Schwinge.
Folgende Dinge sind dabei zu beachten:
- Verlegung der Bowdenzüge zwischen Steuergerät und Joystick (Biegeradius beachten!)
- Zuführung Vorlauf, Rücklauf und Druckweiterleitung
- Verbindung Kupplungen der Schwinge mit dem Steuergerät
Nachdem die Einbaulage des Joysticks in der Kabine geklärt ist, muss nun die passende Länge der Bowdenzüge gewählt werden.
Es empfiehlt sich diesen Weg mit einem starren Kabel oder ähnlichem probeweise vorzulegen.
Schritt 5: 3./4. Steuerkreis oder Schnellentleerung
Abhängig von der Ausstattung an der Schwinge muss der elektrische Anschluss von 3./4. Steuerkreis oder Schnellentleerung vorgesehen werden.
Als Verbindung zwischen Frontlader und Schlepper werden üblicherweise 7polige Steckerverbindungen verwendet, wie sie auch bei Anhängern bekannt sind.
Sollte die Ansteuerung über den Joystick erfolgen, ist hier auf eine ausreichende Zahl Taster zu achten (ein Taster für jede Funktion).
Schritt 6: Systementscheidung elektrisch proportional oder mechanisch?
Vorteile des elektrisch proportionalen Ventils
- feinfühligere Steuerung
- geringere Betätigungskräfte
- höhere Flexibilität beim Einbau (keine starren Bowdenzüge)
Nachteile des elektrisch proportionalen Ventils
- Kosten
- Keine Funktion bei Stromausfall
Vorteile des mechanischen Systems
- Joystick ist robuster
- geringere Kosten
- Mehr Austattungsoptionen
- Höhere Ausfallsicherheit
Nachteile des mechanischen Ventils
- Höhere Betätigungskräfte
- geringe Flexibilität beim Einbau
Schritt 7: Einbau des Systems
Bitte hier dann die entsprechend zum Download bereitgestellte Anleitung beachten!
Bei Fragen können Sie uns gerne kontaktieren.
FAQ - Gut zu wissen!
Wofür benötige ich Rückschlagventile im Frontladersteuergerät?
Rückschlagventile an jeder Sektion sind wichtig, damit die beiden Sektionen sich nicht gegenseitig beeinflussen, diese sind bei unseren Frontladersteuergeräten immer verbaut, häufig jedoch bei günstigeren Alternativen nicht verbaut
Was bedeutet innere Leckage bei Hydraulikventilen?
Jedes Wegeventil dichtet innerlich rein metallisch (der Schieber hat keine Dichtungen), dadurch hat jedes Wegeventil eine gewisse innere Leckage, eine hochwertige Fertigung kann diese allerdings auf ein Minimum reduzieren
Gibt es Möglichkeiten, den Einbau in meinem Schlepper zu vereinfachen?
Wir bieten für diverse Bosch-Ventilsysteme Endplatten an, die den Anschluss der externen Ventile deutlich vereinfachen, sie bieten dann die notwendigen Schnittstellen zur Versorgung der Frontladersteuergerät.
Was habe ich bezüglich des Druckes bei der Auswahl des Steuergerätes zu beachten?
Wichtig ist, das der Betriebsdruck des Traktors bzw. Systems niedriger ist, als der zulässige Maximaldruck des Frontladersteuergerätes. Unsere Standardlösungen sind für einen Betriebsdruck von bis zu 250 bar zugelassen und damit mit allen marktüblichen Traktoren kompatibel (alt wie neu). Auch die meisten Frontlader sind in der Regel nur für diesen Druck zugelassen.
Welchen Einfluss hat der Volumenstrom bei der Auswahl des Steuergerätes?
Hier sind zwei grundlegende Unterscheidungen zu treffen. Im Load-Sensing-System ist der maximale Volumenstrom der Pumpe des Schleppers unerheblich, sie passt ihren Volumenstrom entsprechend dem angeforderten Bedarf des Frontladersteuergerätes an.
Beim Konstantstromsystem wird permanent das Öl durch Frontladersteuergerät umgewälzt. Hier ist von Vorteil, wenn der zulässige Volumenstrom deutlich höher ist als der tatsächliche Volumenstrom im System, da die den Umlaufdruck reduziert. Dies reduziert den Kraftbedarf und die Ölerwärmung. Es kann daher problemlos ein Schlepper mit 40 l/min Volumenstrom mit einem Steuergerät mit einem zulässigen Volumenstrom von 90 l/min kombiniert werden.
Ein 40 l/min Steuergerät sollte jedoch nicht in einem 90 l/min System eingesetzt werden, dies erhöht Umlaufdruck und Ölerwärmung sehr stark (insbesondere bei kontinuierlich hoher Drehzahl, beispielsweise bei Straßenfahrt).
Kann es vorkommen, das ich trotz einem Schlepper mit Zahnradpumpe eine LS-Ausführung kaufen muss?
Ja, wenn sie einen Schlepper mit Load-Sensing-fähigen Steuergeräten haben und an eine bestehende Schnittstelle dieser Ventile nutzen möchten (beispielsweise an der Abschlussplatte). Dies gilt zum Beispiel für Traktoren mit Bosch SB23 LS-Steuergeräten. Dies ist für den Laien nicht unbedingt erkennbar, daher sollten sie dort uns oder Ihre Werkstatt bezüglich des weiteren Vorgehens konsultieren.
Ist es möglich ein Frontladersteuergerät von Konstantstrom- auf Load-Sensing umzubauen (oder umgekehrt)?
Nein, die Unterschiede zwischen den Systemen sind sehr umfangreich, daher ist ein Umbau nicht wirtschaftlich umsetzbar (auch wenn die Ventile sich häufig den gleichen Grundblock teilen).
Auch ein Einbau eines Load-Sensing-Frontladersteuergerätes in einen Schlepper mit Konstantstromsystem (oder umgekehrt) funktioniert nicht.
Daher ist die Auswahl des System sehr wichtig und darf nicht leichtfertig erfolgen. Wir helfen gerne bei der korrekten Auswahl des Ventils.